Der Töter

Eine Erzählung von Veijo Meri

Er lag im Morast am Flußufer, unbeweglich, vom Morgengrauen bis zum Abend; wenn es dämmrig wurde, verschwand er. Eine Woche hindurch war er da, ohne sich entdecken zu lassen.
Er trug eine aus einer riesigen Stoffmenge gearbeitete Montur, mit Streifen und Fransen; darin war er wie ein raschelnder Erlenbusch, der den Wind öffnet und schließt, ohne den Blick hindurchzulassen.
Seine Augen suchten unablässig das gegenüberliegende Flußufer ab, den dreißig Meter hohen Sandrücken, im Fernrohr, und ohne Glas. Vor allem an dieser an- und absteigenden Grenzlinie war er interessiert, die über ihm den klaren Himmel vom trüben Land trennte. Von Zeit zu Zeit ließ er, um sich Abwechslung zu verschaffen, seinen kreisrunden Blick den Abhang hinabgleiten: zu den verschiedenen großen grauen Steinhaufen und den grauen Flecken Sand. Bis die im Fluß angestaute Floßholzmenge sich plötzlich über ihn zu neigen schien. Er richtete den runden, sehr wenig einfangenden, sich aber dafür umso weiter erstreckenden Blick langsam wieder nach oben, dorthin, wo das Land aufhörte und sich der Himmel öffnete. Er hob seine Waffe, die in Streifen und Fransen gekleidet war wie ihr Herr, so langsam an, daß nichts auf eine Bewegung hindeutete.
Damit der Körper nicht einschlafe, brachte er ihn von Zeit zu Zeit in Bewegung: er zog die Knie an und krümmte dabei den Rücken, dann streckte er sich, indem er die Beine spreizte, aber so langsam, das nichts die Bewegung verriet. Damit konnte er eine halbe Stunde zubringen, um danach zwei drei Stunden dazuliegen, ohne sich zu rühren.
Um den Donner des Artilleriefeuers kümmerte er sich nicht, die Schußziele lagen weit ab, vor und hinter ihm. Man hatte versucht, ihn mit Granatwerfern zu vernichten am dritten Tag, indem man das Fichtenwäldchen am Flußufer unter massiven Beschuß nahm. Der Gegner feuerte mit hochexplosiven Geschossen, die in der Luft zerplatzten, aber er hatte das vorausgesehen und sich aufs offene Moor abgesetzt. Er hatte seinen Tarnanzug umgekrempelt und lag dort einen Tag über als gelbblau gefleckte Moorlache, ehe er wieder an seinen Platz zurückkehrte.
Der Frontabschnitt war ruhig, zu ruhig. Immer wieder kam es dazu, daß er durchs Zielfernrohr einem Gegner direkt in die Augen starrte, die durch ihn hindurchzublicken schienen, wissentlich, aber sein Finger rührte sich nicht am Abzug. Aufgrund des Schusses hätte man ihn lokalisieren können.
Sie versuchten ihn dazu zu bringen, daß er schoß. Man arrangierte für ihn Scheinziele: ein Helm bewegte sich wie eine Schildkröte die Randlinie des Abhanges entlang. Wenn sich ein Mensch bewegt, hebt und senkt sich der Kopf immer ein wenig. Wenn seine Füße sich voneinender entfernt haben, ist er kleiner als in dem Moment, indem sie sich einander genähert haben. Derlei Grundregeln schienen die Fallensteller nie zu lernen. Man hatte ihn auf alle nur möglichen Täuschungsmanöver trainiert. Davon abgesehen schoß er nie auf einen Helm; immer nur ins Gesicht, ins Zentrum des Gesichts. Zielmarke war der Schnittpunkt der über Auge und Nase verlaufenden Achsen, ihr Nullpunkt. Auf einen seitwärts gedrehten Kopf schoß er nur im Ausnahmefall, weil das Ziel uneinheitlich und es ziemlich schwierig war, so schnell, in einer Zehntelsekunde, einen Fixpunkt zu finden. Die einzig mögliche Stelle war das Ohr, aber damit man einen effektiven Treffer erzielte, mußte der Einschlag dicht dahinter liegen. Und zudem war die Zielfläche schmal. Außerdem hatte der Helm einen langen Nackenschutz. Wenn ein Mann einen Helm aufhatte, schoß er auf ihn weder von der Seite, noch von hinten, außer aus allerkürzester Entfernung. Wegen der schiefen Bauform hatte man den Helm praktisch immer im Anschlagwinkel.
Man betrachtet seinesgleichen als für seinen Beruf geeignet, wenn er sich in der Lage zeigt, auf eine Figur von der Größe eines Kopfes aus einer Entfernung von sechshundert Metern mit hundertprozentiger Treffsicherheit zu schießen. Aber das genügt nicht. Man kann einem Menschen das Gesicht unter den Augen wegschießen, und das Ganze ist nichts als Pulververschwendung. Es gibt Stellen im Kopf, an denen ein Einschuß nicht tötet. Aber er kannte alle Finessen seines Fachs, den Bau des menschlichen Schädels aus dem Effeff. Wenn eine Kugel nicht schlagartig tötete, hatte er versagt, und der Tag war verdorben. Der fortwährende Schmerzensschrei war für ihn beschämend. Nichts weiter wurde von ihm verlangt als die vollkommene Leistung. Einem Mann Glieder und Organe außer Betrieb zu setzen, kann jeder Stümper. Der augenblicklich erfolgende absolute Tod kommt selten vor, so selten, daß viele glauben, so etwas gäbe es gar nicht. Jemand, der auf der Stelle tot ist, hat keine Gelegenheit mehr, einen Laut von sich zu geben, die Glieder versagen der angefangenen Bewegung den Dienst.
Die letzten fünf Tage hatte er niemand erwischt. Dermaßen vorsichtig war der Gegner geworden. Seine Scharfschützentätigkeit auf diesem Frontabschnitt war beendet. Die Verlegung an einen anderen Abschnitt stand ihm bevor. Länger als eine Woche hielt er sich selten in einer Gegend auf. Er hatte ein Betätigungsfeld, das sich über zwanzig, dreißig Kilometer erstrecken konnte, je nachdem, wie begehrt er war.
Ohne auch nur einen Schuß abgegeben zu haben, zog er sich bei Anbruch der Nacht vom Moor zurück. Aus dem Fluß stieg Nebel auf, wie aus einer tiefen Kluft, und wälzte sich über die Moorblöße zum Wald hin. Wie ein bläulicher Rauchflecken inmitten weißen Strohfeuerrauchs bewegte er sich in der Richtung fort, ebenso langsam wie der Nebel.
Die in ihren Unterständen eingemieteten Landser sahen, wie er vorüberging. Sie trauten sich nicht, ihm mit Fragen zu kommen, und die Unterhaltung brach ab, als hätte ihnen jemand einen Reißnagel in den Gaumen gedrückt. Nur ein Unterleutnant der Infanterie schloß sich ihm auf dem Pfad an, um ihm eine Zigarette anzubieten, aber er war kein Raucher. Der Unterleutnant fing an, ihm vom MG-Nest zu erzählen, aus dem sie Seitenfeuer bekommen hätten und das ihm große Verluste gebracht hätte. Er wiederholte jeden Satz und redete ununterbrochen. Der Feind läge auf der Anhöhe gegenüber, hoch über dem Flußufer. Seine Männer lägen unten auf dem flachen Moor. Alle Flußufer auf der Westseite wären hoch wie Berge, und überall auf der Ostseite gäbe es Moor. Gott hätte sich gedacht, daß hier ein Reich verkehrt herum entstehen solle...
Sie kamen zur Schneise. Der Streifen Tageslicht brachte das weiße Gesicht des Unterleutnants und seine flatternden Augen zum Vorschein. Sein Mund und seine Augen kamen nicht zur Ruhe. Er erklärte, daß er mit sieben Jahren auf dem Eis eingebrochen sei. Seitdem habe er das dauernde Augenzucken. Er wisse nicht genau, worauf das zurückzuführen sei, aber er glaube, das eisige Wasser habe ihm die Augen verdorben. Er sei nachtblind, sehe nichts...
Der Unterleutnant bot, als sie am Ziel waren, wo der Kradfahrer wartete, Schokolade an, aber der Scharfschütze schwang sich, ihm den Rücken kehrend, auf den Soziussitz und setzte den Büchsenkolben auf die Fußraste. An der Büchse gab es keinen Riemen. Er hatte die Erfahrung gemacht, daß ein Riemen nur hinderlich ist, obgleich die Gewehrschützen auf Riemen und stramme Lederjacken als Rückhalt beim Visieren schwören. Aber das war mehr etwas für Federwildjäger, für stehend freihändiges Schießen. Die Büchse war nicht auf dem Rücken zu tragen, er mußte sie in der Hand behalten. Als der Fahrer auf den Kickstarter trat, knatterten im Wald hundert Maschinen gleichzeitig los. Die fuhren da im Gestrüpp neben ihnen her, wie eine riesige Eskorte.
Der Scharfschütze war in einem fünfzehn Kilometer weit im rückwärtigen Gebiet gelegenen Dorf untergebracht. Jeden Morgen, ehe es hell wurde, wurde er von einem Kradfahrer in die vorderste Linie gebracht und dort jeden Abend, wenn es dunkel wurde, wieder abgeholt. Er hatte ein eigenes Zimmer im Kasinogebäude neben dem vom Regimentsstab belegten Räumen. Dort lag er nachts in einem richtigen Bett, und dort nahm er sein Essen ein, das ihm der Chauffeur aufs Zimmer brachte. Er erhielt Offiziersverpflegung mit einer Extrazulage.
Als er sich beim Bataillon zum täglichen Rapport meldete, den er telephonisch durchgab, kam der Kommandeur auf das MG-Nest zu sprechen, das dem Bataillon große Verluste gebracht habe. Es sei kein Befehl, aber er bitte darum, das MG außer Gefecht zu setzen oder es in Schach zu halten.
Der Scharfschütze sagte, er habe das MG bemerkt, und er wisse schon. Das MG hatte sich dicht an der Mündung des von Osten herkommenden kleinen Nebenflusses eingenistet, und wahrscheinlich mit dem Auftrag, im versumpften Flußgelände eine seitliche Truppenverschiebung zu verhindern. Es gab dort auch etwas weiter entfernt eine Brücke, aber die war nicht passierbar, noch nicht einmal nachts, weil sie sich deutlich gegen das Wasser abzeichnete und weil das MG dort freies Schußfeld hatte, die Brücke unter Beschuß nehmen konnte auch bei völliger Dunkelheit. Das MG-Nest war von der gegenüberliegenden Seite des Flusses her nicht zu beschatten, der Sumpf war bodenlos und nicht begehbar. Davon abgesehen war es nicht gut möglich, ein MG mit einer einfachen Büchse außer Gefecht zu setzen. Und sich mit einer Panzerbüchse ins vorgeschobene Gelände zu begeben, lohnte sich ebensowenig.
Er ging in sein Zimmer, nahm sein Essen ein und reinigte sorgfältig sein Gewehr, obgleich er nicht damit geschossen hatte. Er füllte die Patronentaschen mit neuen Patronen. Er hatte Spezialpatronen, deren Pulverkörner genau abgezählt waren. Auf dem Moor könnten die Patronen und das Gewehr Wasser angezogen haben. Ebenso sorgfältig wie für seine Waffe sorgte er für sich selbst. Er achtete darauf, daß die Zusammensetzung der Nahrung zweckentsprechend sei. Wenn er sich morgens gründlich entleert hatte, war er wieder für einen ganzen Tag fit, ohne an die Befriedigung seiner Befriedigung oder die Verrichtung seiner Notdurft denken zu müssen.
Als ihn die Wache am frühen Morgen weckte, stieg er in seinen Tarnanzug und bekleidete sein Gewehr. Er war entschlossen, sich mit dem MG-Nest zu befassen. Die Sache schien ohne weiteres klar zu sein, als hätte sein Gehirn nachts im Schlaf die Entscheidung getroffen, wie die Aufgabe durchzuführen sei, obgleich es sich um eine schwierige Gleichung handelte, in der es verschiedene Unbekannte gab. Er dachte schon nicht mehr an seine Verlegung, die beschlossen und bereits mit ihm abgesprochen war, an den Einsatz auf dem anderen Abschnitt, wo man ihn sehnlich erwartete. Es gab ja für ihn auch hier noch eine sauber umrissene Aufgabe, und er war sich völlig im Klaren über deren Durchführung.
Er zog die Generalstabskarte aus der am Nagel hängenden Kartentasche und vergewisserte sich, daß es da wirklich einen Weg gab, auf dem man auf der anderen Seite des Nebenflusses in den Abschnitt des II. Regiments gelangen konnte. Er hatte nicht gewußt, daß es solch einen Weg gab, ihn aber als bekannte Größe für seine Berechnung eingesetzt.
Nebenbei ging ihm auf, daß der Unterleutnant ihn angelogen hatte mit dem, was er am Abend zuvor über die Gefährlichkeit des MGs erzählt hatte. Wenn das MG-Nest von der Gefechtslinie aus nicht zu beschießen war, wie konnte es dann umgekehrt möglich sein, von dort aus den Abschnitt unter wirksamen Beschuß zu nehmen? Aber irgendetwas brauchte der Unterleutnant ja wohl, um sich wegen der Verluste seiner Kompanie rechtfertigen zu können. Und der Bataillonskommandeur glaubte, was man ihm einzureden versuchte.
Sie mußten einen Umweg von vierzig Kilometern machen, ehe sie ans Ziel kamen. Er schickte den Kradfahrer zurück und befahl ihm, ihn abends am selben Platz wieder abzuholen. Er robbte am Fluß entlang und arbeitete sich zur Flußmündung vor, bis ihm das MG-Nest auf der anderen Seite des Flusses genau gegenüber lag. Das Flußufer war leichter begehbar als das auf der feindlichen Seite. Der Unterleutnant hatte zum Schluß von diesen unheilvollen Ufern geredet, am Abend.
Er richtete sein Gewehr auf das Nest und starrte durchs Glas. Im ersten Tageslicht tauchte in der schwarzen Öffnung der Umriß eines MGs auf, ein Modell mit Wasserkühlung. Gegen die Waffe selbst war er machtlos, aber deren Bedienungsmannschaft konnte er außer Gefecht setzen, dem Gegner sogar an dieser Stelle einen solchen Schlag versetzen, daß ihm für längere Zeit die Puste ausgehen würde. Vereinzelte Gewehrkugeln zischten pfeifend durch die Luft.
Alles schien auf einen sehr ruhigen Tag hinzudeuten. Nur von fern hörte man im Norden das dumpfe Grollen der Artillerie.
Als im rückwärtigen Flußgelände wildes Geschrei losbrach, begleitet von spärlichem, zaghaften Gewehrfeuer, das sich schließlich zu ohrenbetäubender Knallerei steigerte, wie bei einem Zusammenstoß mit einem feindlichen Stoßtrupp, kümmerte er sich nicht darum. Er bemerkte den im Fluß tauchenden Mann erst, als die Strömung ihn bereits dicht an seine Schußlinie herangetragen hatte. Die Gewehrkugeln peitschten das Wasser, prallten am Wasser ab und schlugen in der Böschung am gegenüberliegenden Ufer ein; sie schlugen dicht vor ihm weiße Stempelmarken in die schwarzen Flußhölzer. Er sah einen um einen Stamm geschlungenen Arm, aber der Arm war im selben Augenblick wieder verschwunden.
Die Strömung war stärker und rascher, als die im Fluß treibenden Stämme erkennen ließen. Der Unterleutnant war am nördlichen Geländeabschnitt seiner Kompanie ins Wasser gesprungen, und die Strömung hatte ihn bereits dicht unter das MG-Nest abgetrieben. Unglaublich, wie schnell und weit ihn der Fluß nach jedem Untertauchen mit sich fortriß. Zwischendurch ruhte er sich, nur den Kopf über Wasser haltend, hinter einem der Flußhölzer aus. Die Hand, mit der er sich festklammerte, verriet ihn, aber sobald ihm die Kugeln um die Ohren zu pfeifen begannen, tauchte er wieder unter. Obgleich es Tag war, waren die Flugbahnen der Leuchtspurgeschosse deutlich zu erkennen. Die aus den tiefergelegenen Stellungen abgefeuerten Geschosse hatten zu wenig Durchschlagskraft, sie sprangen an der Wasseroberfläche auf, zurück in die Luft.
Erst als der Schwimmer am gegenüberliegenden Ufer auftauchte und an Land stürzte, erkannte ihn der Scharfschütze an der blonden, langen Mähne _ denn der gewöhnliche Landser war kahlgeschoren _ und irgendwie auf Grund eines Gesamteindrucks; der Mann war nackt. Er tauchte dermaßen schnell wieder im hohen Ufergras unter, daß es unmöglich war, sich die Stelle zu merken, wo er verschwunden war. Die in der Böschung einschlagenden Gewehrkugeln wirbelten hier und da vom Blick kaum einzufangende Staubwölkchen auf.
Der Unterleutnant schien genau kalkuliert zu haben. Erst als der Scharfschütze nicht mehr auf seinem Geländeabschnitt erschienen war, hatte er sich getraut, und gleich so, als könnte ihm keiner mehr etwas.
Als sich der Überläufer am Abhang aufrichtete, war der Scharfschütze der einzige, der ihn bemerkte. Er lag knappe zweihundert Meter von ihm entfernt. Die nächste Infanterie-Stellung lag dreihundert, vierhundert Meter weiter zurück, abseits der Schußlinie. Der Unterleutnant bewegte sich in langen Sätzen wie ein Bergtier auf vier Beinen auf sein Ziel zu. Er war auf dem sandigen Abhang durch seine Hautfarbe so vollkommen getarnt, daß nur die immer wieder gleichbleibend schnell aufsteigende Staubspirale seinen Fluchtweg verriet. Der Scharfschütze reagierte blitzartig. Er richtete sein Zielfernrohr auf die Horizontlinie des Abhangs und wartete. Vor der Flinte im Glas drei feindliche Schützen und den MG-Stand. Eins der Gesichter mitten im Fadenkreuz. Alle drei Schützen vom Scheitel bis zum Koppelschloß direkt im Visier! Überall, auch weiter entfernt auf den Flanken, tauchten die Männer hinter ihren Verschanzungen auf, um den Ablauf des Geschehens zu verfolgen. Der Überläufer steigerte sich bei zunehmender Erschöpfung bis zur Raserei, sein rhythmisches Aufbrüllen klang gedämpft über den Fluß herüber. Als er oben am Hang zum Sprung ansetzte, um hinter der Kammlinie zu verschwinden, war für den Scharfschützen der Augenblick gekommen. Trotz seiner rasenden Geschwindigkeit schien der Überläufer für die Dauer eines meßbaren Augenblicks auf der Stelle zu erstarren, er zeichnete sich klar gegen den wolkigen Himmel ab.
Oben die Männer, wie vom Schlag gerührt, begannen automatisch nach der Stelle zu suchen, woher die Kugel gekommen war. Wer hatte den Überläufer zur Strecke gebracht? Etwa einer aus den eigenen Reihen? Dem Knall nach mußte die Kugel ganz aus der Nähe kommen. Ihr Verdacht richtete sich auf das vor ihnen liegende Moor in der Flußniederung, aber auf dem Moor war nichts zu entdecken. Es war ungerecht, daß einer, der sich so am hellichten Tag selber verraten und verkauft hatte, nicht mit dem Leben davonkommen sollte. Zehn Minuten hatte er gebraucht, um flußab zu paddeln und am Ufer herumzuspringen, und im letzten Augenblick, auf dem Sprung hinter den schützenden Wall, wo das Schützenloch ihn auffing, am Ziel...
Huttunen, einer der Männer auf dem Wall, sank, an der Stirn getroffen, rücklings ins Schützenloch. Die anderen starrten aufs Moor hin, woher der Schuß gekommen war. Der Knall schien sich weiter über den krummen Rücken der Moospolster zu halten. Hals über Kopf, so schnell sie konnten, ließen sie sich ins Loch zurückfallen; sie hatten begriffen: ein Scharfschütze! Aber Huttunen lebte noch.
Ich verrecke. Er lag, die Augen offen, regungslos da. _ Ich sterbe zum Verrecken nicht, klagte er und untersuchte seine Stirn.
Seht nach, Jungens, ob das Loch bis hinten durchgeht.
Auch ohne genauer hinzusehen sah jeder das Loch im Schädel.
Ich seh kein Loch, sagte jemand.
Huttunen richtete sich zum Sitzen auf. Huttunen erhob sich, kam auf die Beine.
Ich geh zum Verbandsplatz, sagte er leise, in zweifelndem Ton.
Huttunen ging zum Graben hinüber. Der neben ihm gestanden hatte, blickte ihm nach und sah, wie er hinter dem Grabenknick verschwand.
Der feindliche Scharfschütze lag im Sumpf am Flußufer ihnen direkt gegenüber, denn die Kugel war Huttunen durch Stirn und Hinterkopf gegangen.
Genau mittendurchgegangen!
Mäenpää sah sich bereits feuern und das Biest unten mit dem MG vernichten. Im Handumdrehn, damit ihm die anderen nicht zuvorkämen, krallte er sich in den Griffen fest und feuerte eine Serie ins Moor ab. Das ging so blitzartig und ohne Überlegung _ die im Gefühl der Sicherheit eingelullte Angst kam nicht dazu, ihren Finger zu heben. Eine Kugel flatschte in seine Stirn und schlug durch, unbemerkt unter dem langen Haar im Nacken. Mäenpää richtete sich steil auf , als versuchte er nach oben zu fallen, und zog, während er weiterfeuerte, das MG mit sich empor. Das MG hackte seinen lose klappernden Ton eintönig stupide fort. Als Mäenpää Schluß machte, von oben herunterkam, bückte er sich, um den Schritt nicht zu verfehlen. Er brach zusammen, ohne einen Laut von sich zu geben, ohne daß sich ein Finger an ihm krümmte.
Als sich die Männer schließlich wieder vorwagten, um die Lage hinter dem Fluß zu erkunden, war dort ein merkwürdig gekrümmter Haufen erschienen, den es da vorher nicht gegeben hatte.
Wann Mäenpää zu stöhnen begonnen hatte, war ihnen entgangen. Aber er war am Leben, und zwei von ihnen brachten ihn fort.
Ich werde niemals im Krieg sterben, sagte er. Das war sein Reden seit je und deswegen nicht weiter verwunderlich, aber gleichzeitig entwand er sich den Händen seiner Begleiter. Als er im Eingang des Sanitätszeltes den Kopf einzog, sank er ohnmächtig zusammen. Der diensttuende Sanitäter stellte fest, daß ihm eine Kugel durch den Kopf gegangen sei, und schleifte ihn fort, hinter das Zelt zu den Gefallenen. Dort lagen vier Männer, drei von ihnen mit Kopfschuß zwischen den Augen: zur Strecke gebrachte Opfer des Scharfschützen.
Der Arzt war unterdessen mit Huttunen beschäftigt; er hielt das Unmögliche nicht für möglich. Huttunen sollte sich auf den Tod gefaßt machen, da er nun einmal noch nicht gestorben sei. Der endgültige Tod könne jeden Moment eintreten, leise und unbemerkt. Mäenpää kroch ins Zelt zurück.
Was krauchen sie hier herum, fragte der Arzt.
Wenn ich den Kopf einziehe, sterbe ich, sagte Mäenpää, von seinen Ohnmachtsanfällen verwirrt. _ Und wenn ich ihn nicht einziehe, sterbe ich.
Der Arzt überließ Huttunen dem Sanitäter und befahl, ihm einen Verband zu machen. Er untersuchte Mäenpää. Er schüttelte den Kopf. Auch bei diesem Mann war nichts zu hoffen, jeden Augenblick konnte es soweit sein.
Es war bereits Nachmittag. Im Zelt gab es nur Huttunen und Mäenpää. Ein friedlicher Nachmittag, es konnte einem so vorkommen, als habe es auf der Welt immer nur diesen Nachmittag gegeben. Sie lagen nebeneinander auf Matratzen, durch die Zeltwände schien Gottes schöner Tag. Sie warteten. Huttunen begann ein leichtes Ziehen im Kopf zu spüren, er sagte es Mäenpää. Etwas später begann das Ziehen auch bei Mäenpää.
Erst nach einem Monat kamen Huttunen und Mäenpää zu ihrer Einheit zurück. Sie waren von einem klugen Doktor untersucht worden, der den Grund für ihre Unsterblichkeit wußte. Das habe es auch schon früher, im ersten Weltkrieg gegeben, daß ein Mann, dem es an der empfindlichsten Stelle im Kopf den Schädel durchgeschlagen habe, am Leben geblieben sei. Es mußte im Gehirn einen für Kugeln passierbaren Kanal geben, eine Zone, die gegen durchschlagende Kugeln immun war. So mußte es sein.
Ein übertrieben scharfer Schütze war das. Schießt dem Huttunen und dem Mäenpää durch den Kopf, haarscharf am Kopf vorbei.


Laubacher Feuilleton 11.1994, S. 12 und 13

Die Erzählung wurde von Manfred Peter Hein aus dem Finnischen übersetzt (Veijo Meri novellit, 1965)

Zitiert nach: Moderne Erzähler der Welt — Finnland, Horst Erdmann Verlag für internationalen Kulturaustausch, Tübingen und Basel 1974, Seiten 219–229, Die Rechte liegen beim Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main, der diese und weitere Erzählungen 1967 in der Bibliothek Suhrkamp veröffentlichte. Ihm nochmals Dank für das immer freundliche Entgegenkommen bzw. die Nachdruckgenehmigung.

 
Fr, 04.03.2011 |  link | (2457) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Episches



Soldaten, Bürger und Rebellen


Eine textkritische Analyse der Betriebsanleitung für den Personenkraftwagen ‹Trabant 601› Limousine und Universal 601 Standard, 601 S, 601 de Luxe.
Von Michael H. Schwibbe

Ich möchte meinen Ausführungen ein Zitat von Lenin voranstellen, der in seiner weitsichtigen Art schon 1919 einen Plan hatte, diesen aber nicht erfüllen konnte. Selbstkritisch bekennt er: «Zum zweijährigen Jubiläum der Sowjetmacht hatte ich vor, eine kleine Broschüre über das in der Überschrift genannte Thema zu schreiben. Aber im Getriebe der täglichen Arbeit bin ich über die Vorbereitung einzelner Teile bisher nicht hinausgekommen.»[1]
Dieses Versäumnis wollen wir kompensieren. Beginnen soll die Analyse mit einer kurzen formalen Betrachtung: Die Betriebsanleitung erschien 1983, trägt den Namen ‹Betriebsanleitung› und hat das handliche Format, wie es für eine Betriebsanleitung gang (in diesem Falle 4) und gäbe ist. Die Gliederung ist nach der Funktion der Geräteteile vorgenommen worden. Die Aussage: ‹24. Auflage› zeugt von der gesellschaflichen Notwendigkeit, diese Broschüre mehrfach zu produzieren. Die Angaben über die Herkunft des Trabanten:

Der Personenkraftwagen ‹Trabant› ist ein Erzeugnis des VEB SACHSENRING Automobilwerke Zwickau Betrieb des IFA-Kombinates PKW Deutsche Demokratische Republik[2] sind sauber durchformuliert.
Auffällig ist allerdings, daß ein DDR-spezifisches Politikum fehlt: Es wird kein Bezug zum historischen Materialismus, kein Bezug zum sozialpolitischen Hintergrund hergestellt, der die Produktion einer solchen Gerätschaft für die Arbeiter- und Bauernklasse notwendig macht. Einen kleinen Hinweis wie «schon Marx hat gesagt ...»[3] oder «Lenin hat gefordert ...»[4] suchen wir vergebens.
Auf der inhaltlichen Ebene stellt sich die Frage nach der Etymologie des Wortes ‹Trabant›[5] und danach, was die Väter dieser ‹Limousine› dazu veranlaßt hat, ihr diesen Namen zu geben? Hier werden wir sehr schnell fündig: Eine erste Literaturrecherche zeigt, daß ‹Trabant› im frühen Nhd. die Bedeutung ‹Krieger zu Fuß› hatte (ca. 1494).[6]
Haben die Namensgeber diese Bedeutung gekannt? War ihnen die Einbettung des Wortes in diesen tiefen historischen Kontext bewußt? Wir meinen: ja! Denn unausgesprochen zieht er sich wie ein roter Faden durch ihre Betriebsanleitung. Die PR-Fachleute des Kombinates haben wahrscheinlich aber auch an die übertragene Bedeutung «Begleiter» gedacht, das Gerät als ein Begleiter der DDR-Bürger[8] von der Zeugung an bis zur Verwirklichung des Sozialismus, mit 15 Jahren Wartezeit auf die Möglichkeit des Erwerbs, als Folge der falsch verstandenen Devise von Lenin: «Man muß sich zur Regel machen: Lieber der Zahl nach weniger, aber höhere Qualität.»[9]
Um den potentiellen Nutzern dieses weitgehend automatisierten Personenbeförderungsmittels einen Vorgeschmack und den glücklichen Besitzern eine Orientierungshilfe zu geben, hat sich ein Autorenkollektiv (AK) zusammengefunden, um diese Betriebsanleitung zu verfassen. Ihr historischer Abriß erschöpft sich in der lapidaren Feststellung:

Der Personenkraftwagen «Trabant» ist auf den Straßen der Deutschen Demokratischen Republik sowie im Ausland kein Neuling mehr. (S. 9)
Dieser Satz war aus der Sicht von 1983 sicherlich eine korrekte Beurteilung und in der bescheidenen Form noch untertrieben: Denn der Trabant war schon in der Mitte des 17. Jhdts. kein Neuling mehr auf den Straßen Mitteleuropas. So heißt es 1649: «nit manglets an trabanten, an sternen klar und hell.[10]
Der Übergang vom Plan zur Produktition dauerte an, die industrielle Fertigung begann erst 300 Jahre später, denn: «Wenn man sich nicht mit Geduld wappnet, wenn man für diese Sache nicht mehrere Jahre daransetzen will, dann soll man lieber die Finger ganz davonlassen.»[11] lautet die Forderung von Lenin.
Der Trabant wurde 1957 zum ersten Mal gebaut. An der Karosserie wurden seit dieser Zeit kaum nennenswerte Änderungen vorgenommen.[12] Deshalb konnte das Gerät auch noch 1983 nicht mit einem Auto verwechselt werden.[13]
Dieser erste Satz stellt den Anfangspunkt einer massiven Kritik am System dar, hier vorerst an der staatlich verordneten Form des Outfits des Gerätes und an der mangelnden Flexibilität des Politbüros der SED, das kein Interesse an der Änderung des Aussehens hatte, da es ja selbst vornehmlich Autos aus schwedischer Produktion fuhr.
Was bewegte im Innersten wohl den emsigen Bauern, was den fleißigen Arbeiter, wenn ihm ungerührt mitgeteilt wurde: «Selbst ein Teil der Arbeiterklasse, kennt die Partei nichts Höheres als die Interessen der ganzen Klasse, aller Werktätigen. Alles zu tun für das Wohl des Volkes, für sein Leben in Frieden, sozialer Sicherheit, Wohlstand und Glück.» (S. 5)
Die DDR-Bürger hätten es nämlich gerne gesehen, wenn Honecker seinen kommunistischen Bruder Gorbatschow statt mit VOLVO mit einem Trabanten abgeholt und geküßt hätte. Dieses wäre standesgemäß, denn: «wir, ehrenvoll geschützt von eigenen trabanten, erwarten kaiserlich der völker abgesandten»[14] beschreibt schon Goethe das richtige staatsmännische Verhalten.
Im zweiten Satz steigern die Autoren ihre Angriffe auf das System und ihre Vertreter, bleiben dabei aber noch sehr dezent und versuchen, die Kritik hinter vermeintlichem Lob zu verstecken.

Seine Bewährungsprobe hat er seit Beginn der Serienfertigung bis zum heutigen Tage auf allen Gebieten bestanden. (S. 9)
Dabei können sie sich vordergründig auf die Ausführungen zum X. Parteitag der SED berufen: «Jede Aufgabe aus Forschung und Entwicklung ist erst als abgeschlossen zu betrachten, wenn sie sich in der Produktion oder Konsumtion voll bewährt hat und ihre Herstellung auch ökonomisch effektiv ist.»[15], was natürlich voll mit Lenin übereinstimmte: «und wir sollten bedenken, daß man zur Schaffung dieses Apparates keine Zeit scheuen darf und viele, viele Jahre darauf verwenden muß.»
Was bedeutet aber im Zusammenhang mit «Bewährung» das Wort «Gebiet»? Den Bürgern im Arbeiter- und Bauernstaat war dieser Begriff wohl bekannt in den Phrasen: «Gebiet der DDR», »Hoheitsgebiet der DDR» oder «Staatsgebiet der DDR», dessen sie ja bekanntlich nicht flüchtig werden durften. «Bewährung» gab es für Republikflucht nicht.
Deshalb wird im dritten Satz zumindest verbal die Republik verlassen und die «Internationale» ins Spiel gebracht.

Besonders ist hervorzuheben, daß der Trabant bei nationalen und internationalen Rallye-Fahrten sehr große Erfolge erzielt hat, die den Arbeitern, Technikern und Ingenieuren den Beweis gebracht haben, daß die der Serienfertigung zugrunde gelegte Konzeption des Fahrzeugs richtig gewesen ist. (S. 9)
Bei der Anspielung auf die internationalen Rallyes haben sich die Verfasser sicherlich an ein schweizerisches Schauspiels aus dem 16. Jahrhundert erinnert, an den Vers: «siben trabanten ich ouch hab, mit denen ich die welt durchtrab ... der dritt trabant heyszt unküscheyt.»[17] Zwar hatte kaum ein Arbeiter oder Bauer im real existierenden Sozialismus die Welt mit seinem ‹Trabi› durchreist, noch je sieben derartige Fortbewegungsmittel besessen, aber aufgrund der Lage auf dem Wohnungsmarkt wurde der Trabant gerne zur «Unkeuschheit» genutzt.[18] Dieses kam den alten Männern in der Führungsriege der SED sehr gelegen, denn: «Die Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft erfordert prinzipiell den Übergang zur intensiv erweiterten Reproduktion.»[19] stand unverblümt im Parteigeschenk zur Jugendweihe zu lesen. Dieser Forderung nachzukommen, war nur durch maximale Ausnutzung der Innenraumkapazitäten des Geräts möglich.
Betrachten wir den Satz nunmehr auf der formal logischen Ebene. Hier arbeitet das Autorenkollektiv mit der Methode der schlichten Behauptung[20] als einer für die Schlußfolgerung irrelevanten Prämisse: Im strengen Sinne der Aussagenlogik ist der Schluß (= Konzeption richtig) auch dann wahr, wenn die Prämisse (= große Erfolge[21]) falsch ist[22]. Daß das Autorenkollektiv hier bewußt vorgegangen ist, belegt die Tatsache, daß sie das Wort «Beweis» in den Mittelpunkt dieses Satzes gestellt hat. Damit konterkariert das AK auf geschickte Weise die umgekehrt formulierte Warnung Lenins, «falsche Schlüsse aus richtigen Voraussetzungen» zu ziehen. Bewundernswert diese Argumentationsfigur, die zeigt, daß nicht alles in der DDR so schlecht gewesen sein kann!
Von der Ebene der formalen Logik geht das AK nunmehr im klassisch dialektischen Sinn auf die Ebene der emotional kontrastierenden Wertung über. Damit treibt die Betriebsanleitung auf ihren argumentativen Höhepunkt zu.

Der Typ «Trabant» ist in seiner Klasse ein schnittiges, elegantes und temperamentvolles Fahrzeug. (S. 9)
Zur Erleichterung des Übergangs zwischen diesen Argumentationsebenen bringt das AK zunächst den Begriff «Klasse» ins Spiel. Jeder Bürger der DDR gleich welcher Schicht wußte, daß er entweder Bauer oder Arbeiter ist. Er war gezwungen, sich zu einer der genannten Klassen zu bekennen. Um dem DDR-Bürger zu zeigen, daß nicht das Kollektiv, nicht die Klasse immer im Vordergrund stehen muß, daß es auch das Individuum gibt, definieren sie für dieses Gerät einfach eine eigenen Klasse und zeigen damit seine Einzigartigkeit, seine Unvergleichbarkeit auf. Sie stellen sich offen in Gegensatz zu Lenin, der apodiktisch behauptet: «Sozialismus ist Abschaffung der Klassen. Die Diktatur des Proletariats hat für diese Abschaffung alles getan, was sie tun konnte.» Genau dieses tut das AK nicht!
Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob der Typ Trabant die Klasse[25] bilden soll, von der Lenin sagt: «Eine Klasse muß stark genug werden, um von ihrem Emporkommen das der ganzen Nation, von dem Fortschritt und der Entwicklung ihrer Interessen den Fortschritt der Interessen aller andern Klassen abhängig zu machen.» (S. 230)? Im übertragenen Sinne würde das bedeuten: «mit dem Trabanten zu Sternen», «per Trabantem ad astra»[26]. «Per aspera ad astra» ist der Wahlspruch der schwedischen Könige, die jahrhundertelang Mecklenburg-Vorpommern besetzt hatten. Handelt es sich hier um eine verdeckte Anspielung auf die SBZ, die «sowjetische Besatzungszone»? Fragen über Fragen!
Die Qualität «temperamentvoll» fällt aus der rigiden Sprache normaler Betriebsanleitungen völlig heraus. Welches Temperament meint das AK? Seit dem ausgehenden Mittelalter gab es eine Einteilung der Temperamente in die vier Grundtypen: Melancholiker, Sanguiniker, Choleriker und Phlegmatiker.[27] Davon kommt für das Gerät nur das Temperament ‹phlegmatisch› in Frage.
Diese Qualität dem Trabanten zu attribuieren, hat durchaus historischen Hintergrund: «da sach man mangen müden drabanten» urteilt man im Markgrafenkrieg um 1450 und «Blind und lam sind sin trabanten (1522)» sagt man 70 Jahre später.
Implizit wird damit eine strukturell emotionale Homologie bzw. Automorphie zwischen dem Gerät und seinen Benutzern, den «Kriegern», die gezwungenermaßen oft «zu Fuß» gehen mußten, den Kämpfern an der Front des Sozialismus, hergestellt. Denn nur Phlegmatiker können die deprimierende Aussage: Die Antriebsquelle ist ein Zweizylinder-Zweitakt-Ottomotor mit Luftkühlung (S. 11)
über lange Zeit hin ertragen und sich mit den Gegebenheiten des real existierenden Antriebaggregates widerspruchslos abfinden.
Hier kann aber eine Freilandbeobachtung aus dem 16. Jahrhundert dem DDR-Bürger Trost und Hoffnung geben: «in disem land hab ich nie kein esel sehen trabanten haben, welche neben ihm einher traben.»[30] Der oft verlachte Marx kannte im Grundsatz das Problem: «Die Klagen jener alten Chroniken sind immer übertrieben, aber sie zeichnen genau den Eindruck der Revolution in den Produktionsverhältnissen auf die Zeitgenossen selbst.[31]
Das gilt nach dem Allgemeingültigkeitsanspruch der Worte von Marx natürlich auch für die historische Warnung: «Was bedeuten wol Trabanten, als dass gross Gefahr vorhanden.»[32] Während hier noch etwas rhetorisch nach der Bewertung gefragt wird, wird diese schnell zur stabilen Qualität: «drabanten vil der boesen die findt man hie und dort»[33] Diese Warnung sollte später für die Sicherheit auf den gesamtdeutschen Autobahnen und für das Ozonloch eine ähnliche Bedeutung erhalten wie für die Handelswege des ausgehenden Mittelalters. Dazu mußte argumentative Kompensation gefunden werden. Ganz im Sinne einer «grünen» Politik betont das AK deshalb:

Der automatisch wirkende Freilauf im 4. Gang schont den Motor und trägt zur Kraftstoffeinsparung bei. (S. 11)
Da auch das ZK diesen dialektischen Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit gekannt hatte und auf Ausgleich erpicht war, schrieb es sich vorsichtig ins Parteiprogramm: «Das Programm lenkt die Aufmerksamkeit darauf, die natürliche Umwelt zu erhalten und sie im Interesse der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Werktätigen und einer effektiven Volkswirtschaft zu gestalten.» (S. 659)
Um diesem Petitum zu folgen, hat sich das AK etwas ganz besonderes einfallen lassen. Sie wollen dazu das Ost-West- und Nord-Süd-Gefälle nutzen, die zusammen ja schon 50 Prozent der Himmelsrichtungen der DDR ausmachen.

Gewöhnen Sie sich deshalb an, das Fahrzeug im Gefälle durch kurzes und kräftiges Gasgeben auf die den Gegebenheiten entsprechende Geschwindigkeit zu bringen und dann den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. (S. 43)
Das Fahrzeug rollt dann im Freilauf, wodurch Kraftstoff gespart und der Motor geschont wird. Für das Fahren mit Rückenwind gilt der gleiche Hinweis.
(S. 43)
Da die DDR in der Ostzone der braven Westwinde liegt, kommen so weitere 25 Prozent Himmelsrichtungen hinzu. Dieses Konzept ist eine geniale Meisterleistung der Ingenieurkunst, die die SED-Meinung «Die Deutsche Demokratische Republik verfügt über eine leistungsfähige Volkswirtschaft, über ein großes Wissenschaftspotential, über ein hohes Bildungsniveau.» (S. 179)[34] eindrucksvoll am konkreten Gegenstand bestätigt. Das war nur möglich, weil — wie der Generalsekretär des Zentralkomitees der SED, Erich Honecker, feststellt — «die SED mit ihrer Strategie und Taktik auf die Fragen des Lebens im Grunde stets die richtige Antwort gab»[35] schreibt sich die Partei die Leistung auf die eigenen Fahnen.
Das AK betont in diesem Zusammenhang besonders die sozialistische Errungenschaft des «vierten Ganges». Dieser war dem aufgeschlossenen Mitteleuropäer natürlich bekannt: «ihm ist der gang ... ihrer trabanten nicht fremde»[36] lautet schon 1767 eine Zustandsbeschreibung menschlicher Kenntnisse zwischen Rhein und Memel. Aber: warum — stellt sich die Frage — gerade «vier»? Dem ging schon Otto Walkes in einer brillanten Persiflage einer Sonntagspredigt in der ARD der BRD nach. Es kann kein Zufall sein, daß gerade ein Ottomotor als Antriebsaggregat gewählt wurde.
In bezug auf das Fahrwerk mußte das AK gegenüber der SED allerdings einen taktischen Rückzug vornehmen: Sie bringen den Begriff Progressivfederung (S. 11) ins dialektische Spiel: Da es in der Entwicklung der DDR ja wohl keinen Rückschritt geben konnte, mußte auch die Federung progressiv sein: «Sie ist die Erbin alles Progressiven in der Geschichte des Deutschen Volkes.»[37] steht im Programm zum IX. Parteitag der SED zu lesen.
Danach jedoch macht das AK seinen Kotau vor dem Politbüro mehr als wieder gut und empfiehlt auf perfide Weise:

Einen für den Motor kritischen Zustand können Sie herbeiführen, wenn Sie bei einer mittleren Geschwindigkeit infolge Bergabfahrt oder Rückenwind, zur Erhaltung der jeweiligen Geschwindigkeit, das Gaspedal nur noch gering betätigen und dies über längere Zeit tun. (S. 42)
Man muß sich einfach einmal vorstellen, was mit der Infrastruktur der DDR passiert wäre, wenn alle Fahrer dieses Gerätes dieser Empfehlung gefolgt wären. Sie ist mehr als Sabotage, sie ist ein Aufruf zum aktiven Widerstand unter Anwendung systemimmanenter Manipulationsmöglichkeiten am volkseigenen Antriebsaggregat.
Das AK erläutert auch gerne und genüßlich die Folgen:

Der Motor erhält dann entsprechend der Drehzahl fast kein Frischgas und damit auch kein Schmiermittel, was für den Motor äußerst gefährlich ist.. (S. 43)
Frischgas! Welch Wort! Frischfleisch und Frischobst waren nur über die sozialistische Wartegemeinschaft erhältlich, Sommerfrische gab es im FDGB-Heim mit Plaste-Tischdecken aus Zschopau. Frischmilch aus der LPG als Laktat von der volkseigenen Kuh war zum nationalen Kulturgut erklärt. Deshalb konnten die Arbeiter, weniger die Bauern, sich freuen, wenn sie per Fußdruck ein Frischprodukt erhalten konnten. Mit dieser Anspielung geht das AK hart an die Grenze des Machbaren der Ironie und Satire.[38] Eine weitere subtile Dialektik wird bei den Sekundärqualitäten des Gerätes eingesetzt:

Die Straßenlage und die Beschleunigung Ihres "Trabant" sind ausgezeichnet. (S. 43)
Diese Merkmale stehen in keinem kausalen Zusammenhang.[39] Deshalb benutzt das Kollektiv als Klammer den Ausdruck «ausgezeichnet»: Ausgezeichnet wurden oft kaum nachvollziehbar ein «Held der Arbeit», ein «Kämpfer am sozialistischen, antifaschistischen Schutzwall» oder ein «verdienter Kundschafter» im Kanzleramt.[40] Wer hat die Beschleunigung ausgezeichnet und warum? Denn Lenin hat doch schon lange vorher erkannt und daraufhingewiesen: «Man muß sich mit einem heilsamen Argwohn gegen die unbedacht schnelle Vorwärtsbewegung ... wappnen.»[41] Folgerichtig warnt an dieser Stelle auch das Autorenkollektiv ausdrücklich davor, auf die «Auszeichnung» von Straßenlage und Beschleunigung zu vertrauen:

Das sollte sie jedoch nicht verleiten, leichtsinnig zu werden. Fahren Sie deshalb so, daß Sie jederzeit bei Auftauchen eines Hindernisses rechtzeitig anhalten können, wobei die Straßenverhältnisse (trockene, nasse oder vereiste Straßen) berücksichtigt werden müssen. (S. 43)
Die Straßenverhältnisse in der DDR mit klimatisch bedingten Aggregatzuständen von Wasser erschöpfend darzustellen, belegt die tiefgründige Ironie des AK. Jeder Bürger hat angesichts der wahren Situation auf ihren Wanderwegen beim Lesen sofort schmunzeln müssen. Die ‹Welt› hätte formuliert: «auf den sogenannten Straßen».
Welcher Schelm im AK hat letztlich in die Betriebsanleitung Vorderachsenaufhängung, Federung (S. 11) geschrieben? Jeder DDR-Bürger dachte bei Nennung des Wortes Achsen sofort an den kleinen rundlichen Mitglied des Politbüros Hermann Axen, eine besonders langlebige Variante des Typs Funktionär. Wenn wir diese zwei Worte zerlegen und in einer anderen Schreibweise darstellen, kommt dabei die Aufforderung heraus: «Forder: Axen, Aufhängung, Federung». Daß der Aufruf zu KuKluxKlan-Methoden der Zensurstelle der Stasi durch den Rost des Robotron-Rechners gefallen ist, entzieht sich vollends der Vorstellungsfähigkeit des Autors der vorliegenden Studie. Vielleicht hatte auch hier Markus Wolf seine konspirativ wirkenden Finger auf der Tastatur.
Die Produktion des Trabanten wurde drei Jahre nach der Wende 1992 eingestellt. Die Warnung von Lenin fiel ins Nichts: «Jeder klassenbewußte Arbeiter, Soldat und Bauer muß sich aufmerksam in die Lehren der russischen Revolution hineindenken, besonders jetzt, Ende Juli, wo klar ersichtlich geworden ist, daß die erste Phase unserer Revolution mit einem Mißerfolg geendet hat.» [42]

Resumée
Wir müssen feststellen, daß das AK mit dieser Betriebsanleitung ein Dokument der Systemkritik, ein Manifest der Konterevolution vorgelegt hat. Der Trabant fungiert als Symbol des Widerstandes wie weiland der «Bundschuh», wie Martin «Luther, des duvels knecht, und siene dravanten»[43], Vorbereiter der Bauernkriege von der Wartburg.[44]
In dieser Betriebsanleitung werden grundlegende Werte des real existierenden Sozialismus auf geschickte Weise in Frage gestellt. Sie ist ein historisch fundiertes Dokument des Widerstandes, eine auf der Grundlage des M/L basierenden Manifestation der Gewaltlosigkeit gegen verkrustete Strukturen, gegen Stasi, KGB und Politbüro. Zitieren wir zum Trabanten und der SED, dieser sozialistischen Entität von Plan und Gerät ein letztesmal Lenin: «Nein, vor einem solchen Apparat und selbst von Elementen dazu haben wir lächerlich wenig.»[45]
Facit: Wenn die Gauck-Behörde alle Dokumente aus der ehemaligen DDR, aus dem Gültigkeitsbereich der Reichsbahn in gleicher Weise so sorgfältig prüfte, würde es sich wahrscheinlich herausstellen, daß die Bürger der DDR vor 1989, so wie alle Deutschen vor 1945, einen Hort des Widerstandes gebildet haben.


Literatur:
Brednich, Rolf Wilhelm: Trabi-Witze. Ein populäres deutsches Erzählgenre der Gegenwart. Volkskunde in Niedersachsen. heft 1/1990 7. Jg. =(RWB)
dtv-Lexikon Konversationslexikon in 20 Bänden. Band 18: Stra-Trir. Deutscher Taschenbuch Verlag dtv (=dtv)
Geschichte der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Abriß. Berlin: Dietz Verlag, 1978 (=SED)
Grimm, Jacob und Grimm, Wilhelm: Deutsches Wörterbuch. Elfter Band. I. Abteilung I. Teil T-Treftig. Bearbeitet von Matthias Lexer, Dietrich Kralik und der Arbeitsstelle des Deutschen Wörterbuches. Leipzig Verlag von S. Hirzel, 1935. (=GG)
Klaus, G. und Buhr, M.: Philosophischer Wörterbuch. Leipzig: VEB Bibliographisches Institut, 1976, BD. 1 (=PW)
Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutsche Sprache. 21. unveränderte Auflage. Berlin, New York: Walter de Gruyter, 1975. (=KL)
Lenin, W.I.: Ausgewählte Werke Band II. Berlin: Dietz Verlag, 1976(=LII)
Lenin, W.I.: Ausgewählte Werke Band III. Berlin: Dietz Verlag, 1976. Ökonomik und Politik in der Epoche der Diktatur des Proletariats (=LIII).
Marx, Karl und Engels, Friedrich: Staatstheorie. Ed.: Eike Hennig, Joachim Hirsch, Helmut Reichelt und Gert Schäfer.1974 Frankfurt/M. — Berlin — Wien: Verlag Ullstein GmbH, 1974 (=ME)
Marx, Karl: Tausch, Arbeitslohn, Freiheit und Gleichheit,. (Text nach: K. Marx, Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie (Rohentwurf), Berlin 1953, und Das Kapital, Bd. 1, MEW Bd. 23 (=MK).
Röcke, Matthias: Der Trabant: Königswinter 1990 (S.21) (=RÖ)
Vom Sinn unseres Lebens. Zentraler Ausschuß für Jugendweihe in der DDR (Hrsg.), Berlin: Verlag Neues Leben, 1983 (=SL)
Wander, Karl Friedrich Wilhelm: Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Ein Hausschatz für das deutsche Volk. Vierter Band. Sattel bis Wei, Edition Weltbild, Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion, 1876. (=WA)


Anmerkungen
1 (Prawda Nr. 250, 7. November 1919)
2 VEB: Volkseigener Betrieb, IFA: Industrieverband Fahrzeugbau der DDR. Aus: Koblischke, H.: Kleines Abkürzungsbuch. VEB Bibliographisches Institut: Leipzig, 1980.
3 z. B: «Die Verbeßrung der Transport- und Kommunikationsmittel fällt ebenfalls in die Kategorie der Entwicklung der Produktivkräfte überhaupt.» (S. 466). (Karl Marx: Allgemeine Bedingungen der Produktion im Unterschied von den besonderen. In: Grundrisse der Kritik der Pol. Ökonomie (Rohentwurf, 1857-1858), Berlin: Dietz, 1953, S. 422)
4 Statt dessen hat sich das Autorenkollektiv: Alle Rechte vorbehalten (unpaginiert, Betriebsanleitung 1983). Diese Vorbehalte wurden — wie wir noch sehen werden — mit gutem Grund in das Dokument eingebaut.
5 Im Folgenden wird dieses Erzeugnis auch als «Gerät» bezeichnet (d. Verf.).
6 (KL S. 784). Der Volksmund liegt mit seinem Witz «Warum heißt der Trabi Trabi? — Wenn er schneller wäre, müßte er Galoppi heißen» gar nicht so falsch. (RWB, S. 31)
7 Begleiter von Planeten, Monde, dtv, S. 250
8 Man würde eine Fehlinterpretation vornehmen, wenn man glaubt, daß die Trabantenstädte in der DDR nach dem dort vorherrschenden Fortbewegungsgerät benannt wurden.
9 (LIII, S. 878)
10 SPEE trutzn. (1649) 40; (GG, S. 949). Damals muß der Himmel über der DDR noch recht durchsichtig gewesen sein.
11 (LIII, S. 880)
12 «Aufgrund seiner unverkennbaren äußeren Form, der charakteristischen Farbtöne, seines Zweitaktgeräusches, der Auspuff-Fahne und süßlichen Gestanks, den er hinterläßt, schließlich wegen der bedächtigen Fortbewegungsweise, gehört der Trabi zu den Fahrzeugen mit dem größten aktuellen Aufmerksamkeitswert.» (RWB, S. 20)
13 Um einen derartigen Mangel zu kompensieren, hatte Lenin empfohlen: «Einige vorgebildete und gewissenhafte Personen sollen nach Deutschland oder England geschickt werden, um Literatur zu sammeln und diese Frage zu studieren. England nenne ich für den Fall, daß eine Entsendung nach Amerika oder Kanada sich als unmöglich herausstellen sollte.» (LIII, S. 881)
14 GÖTHE 15, 1, 282 W. (Faust 10853), (GG, S. 946)
15 (GG, S. 661)
16 (LIII, S. 877)
17 KOLROSS (1532) in: schweiz. schausp. d. 16. jh.s 1, 88 (GG, S. 949)
19 Brednich (1990, S. 21) formuliert dezent: «daß dieser Wagen bei allen Eventualitäten des Lebens seinen Dienst getan hat und tut.» Dazu der Witz: Ein junger Mann betet zum Himmel: «Lieber Gott mach ihn krumm, daß ich aus dem Trabi kumm.» (RWB, S. 28)
20 (SL, S. 181)
21 H.-A. Oldenbürger: Die wichtigsten Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens. 1980, unveröff. Manusk.
22 Aus diesen scheinbaren Erfolgen entwickelte sich im Volksmund für das Gerät die Bezeichnung «Rennpappe». Der Arbeiter- und Bauernmund witzelt: «Was ist ein Trabi mit Turnschuhen auf den Rücksitzen? — Die Ralleyausgabe.» (RWB, S. 21)
23 (PW, S. 178)
24 (LIII, S. 480).
25 Prawda Nr. 250, 7. November 1919. Unterschrift: N. Lenin
26 Im dialektischen Sinne gibt es zur Klasse auch einen Klassenfeind, der die Errungenschaften des Sozialismus sabotieren und untergraben will. Das feindliche Ausland, die westlichen Geheimdienste, der BND, die CIA und der MI5 waren aber nicht in der Lage, eine adäquate Antwort auf die Herausforderung aus Zwickau zu formulieren.
27 «millionen von sonnen ... jede von werdenden welten und ihren trabanten umringet» lautet die Prophezeiung aus dem 18. Jhdt ( ZACHARIÄ (1764) 4, 17. (GG, S. 950).
28 Marchand, Gyot: Calendrier des Bergers. Paris: 1493. Dort wird Phlegmatiker mit einem Schaf symbolisiert.
29 (H. ROSENPLÜT ged. v. Markgrafenkrieg 1450 bei LILIENCRON 1, 433, GG S. 944)
30 (N. MANUEL, 105 Bächt.; (GG, S. 949)
31 SEB. WILD in schausp. a. d. 16. jh. 1, 221 Tittm.; (GG, S.949); Dazu der Witz: «Warum hat der Trabi zwei Schlitze im Dach? — Damit die Dummköpfe, die ihn fahren, ihre Eselsohren hinausstecken können.» (RWB, S. 27)
32 (ME, S. 367)
33 (Gruter, III, 98; Lehmann, II, 864, 62, WA S. 1279)
34 HERMANN V. SACHSENHEIM sleigertüechl. in meister Altswert 254 lit. ver. (GG, S. 944-945)
(SL, S. 179)
35 Erich Honecker: Auf sicherem Kurs. Zum 30. Jahrestag der Gründung der SED. In: Reden und Aufsätze, Bd. 4, Berlin 1977, S. 292
36 (N. D. GISEKE poet. w. (1767) 41; (GG, S. 950)
37 IX. Parteitag der SED, Berlin, 18. bis 22. Mai 1979 Programm der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, SED, S. 5.
38 Der Autor der vorliegenden Studie auch!
39 Dazu die Witze: Der Trabi hat kürzlich im Windkanal einen Vergleich gewonnen. — Gegen wen? — Gegen eine Schrankwand; oder: Egon Krenz fragt beim Trabi-Werk an: «Ist es möglich, daß ein Trabi mit hundertzehn in die Kurve fährt?» Antwort: «Es ist möglich. Aber nur einmal!» (RWB, S. 27)
40 Sogar diese Betriebsanleitung wurde in einem VEB-Verlag gedruckt, der ausgezeichnet war für seine Qualitätsarbeit: VEB FACHBUCHVERLAG LEIPZIG Redaktionsschluß 30.6.1983. Gesamtherstellung: INTERDRUCK Graphischer Großbetrieb Leipzig. Betrieb der ausgezeichneten Qualitätsarbeit, III/18/97. KG B 3/84.
41 (LIII, S. 877)
42 Juli 1917, Nachwort am 6. (19.) 10/31.08. 1917 im Rabotschi Nr. 8 und 9, Unterschrift: in Nr. 8 N-kow, in Nr. 9 N. Lenin
43 DANIEL V. SOEST 225 Jostes (GG, S. 949)
44 (SL, S. 111), gleichnamig ein spätsozialistisches Konkurrenzunternehmen zum Trabanten.
45 (LIII, S. 877)


Biographische Notiz aus dem Buch: Dr. hist. phil. Dr. rer. nat. Michael H. Schwibbe, Jahrgang 1948, Diplom-Psychologe und Volkskundler, ist Leiter der Stabsstelle EDV/Kommunikation im Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen, wo er auch lebt.


Laubacher Feuilleton 10.1994, S. 12 und 13; wiederabgedruckt in Überall ist Laubach, München 1995, S. 136 – 150

Aus der (vagen) Erinnerung: Verfaßt hatte Michael H. Schwibbe diesen Text ursprünglich für eine interne Festschrift seines Instituts. Dessen Bruder hatte unserem Manfred Jander in der Stammkneipe Rheinpfalz davon erzählt. Und der Autor hat dem Verlag die Veröffentlichung schließlich genehmigt. Dafür auch bald zwanzig Jahre danach noch einmal herzlichen Dank.

 
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